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Schlagwort: Digital Cameras

  • One Baby Photo, Three Devices and a Whole Lot of Cables

    Ein Babyfoto, drei Geräte und jede Menge Kabel

    All the small things - wie 1997 das Foto einer neugeborenen Tochter Technikgeschichte schrieb.

    An alle da draußen, die Anfang der 2000er Väter geworden sind: wer hat bei Geburt seines Kindes den Drang verspürt, diesen Moment festzuhalten und mit möglichst vielen aus seinem Umfeld zu teilen?
    Und wer hatte damals die Möglichkeit, dies ohne Umschweife zu tun, möglichst über Mobilfunk? Denn bis Smartphones oder einfach Handys mit Kamera alltäglich in Gebrauch waren, gab es tariflich und vor allem technisch noch Hindernisse dabei.

    Dies wusste auch Philippe Kahn, studierter Mathematiker, französischer Immigrant, Software-Tüftler und Entrepreneur im Silicon Valley.
    Und dennoch gelang es ihm, mit einem Bild seiner frisch geborenen Tochter Sophie ein kleines Stück Technikgeschichte zu schreiben: Als Dokument des ersten Handy-Foto-Sharings der Welt nahm die TIME das briefmarkengroße Bild 2016 in ihre Auswahl der 100 einflussreichsten Fotografien aller Zeiten auf.

    Was heute selbstverständlich ist, war eben an jenem 11. Juni im Jahr 1997 ein noch größeres Unterfangen. Zwar gab es die Komponenten: Digitalkamera, Handy mit Mobilfunk und mail-fähiger Computer. Aber diese Kombi so zum Einsatz zu bringen, dass wie heute selbstverständlich sofort gepostet und versendet werden kann – das war damals nicht ohne Weiteres drin.

    The Masterplan

    Vielleicht gerade deshalb nahm sich Philippe Kahn vor, das erste Bild seiner Neugeborenen digital festzuhalten und sofort mit der Welt zu teilen.
    Laut Berichten nutzte er die 18 Stunden, die seine Frau in Wehen verbrachte, dafür, seine bereits seit Monaten entwickelte Servertechnik mit der dafür notwendigen Hardware zu verbinden.

    Teile holte er aus dem Auto, ein Eingeweihter fuhr zum Elektronikmarkt für noch ein paar fehlende Komponenten und auf der Station kam sogar der Lötkolben zum Einsatz. Das Ergebnis war ein improvisierter Stack aus einer Casio QV Digitalkamera, seinem Toshiba-Laptop und einem Motorola StarTAC Flip Phone, welche alle über seine Programmierung mit seinem Server verbunden waren.

    Step by Step

    Die Digicam verband er per Kabel mit dem Rechner, wohin die Software das Bild zuerst schickte. Von dort aus musste es auf seinen Server gelangen, von wo er eine Massenmail an seine Kontakte versenden wollte. Hierzu kam sein Motorola-Mobiltelefon zum Einsatz.


    Ein Stecker seiner Auto-Freisprecheinrichtung und weitere Zeilen Code ließen das Handy mit dem Rechner kommunizieren. So gelang der Transport des Bildes an seinen Server per Mobilfunk, von wo aus dann ein Link als Massenmail verbreitet wurde.

    Kurz darauf war die Mail an rund 2.000 Kontakte weltweit versendet, die mit Begeisterung und Verwunderung auf das briefmarkengroße (320 × 240 Pixel erleichterten die Übertragung) Foto reagierten! MMS, heutige Social-Media-Plattformen oder Smartphone-Messenger gab es noch nicht; andere mobile Übertragungswege waren teuer und technisch umständlich - vorausgesetzt, man hatte die technischen Möglichkeiten.

    First photo shared via cell phone: Newborn Sophie Kahn, June 11, 1997, Wikimedia Commons
    Erstes per Handy geteiltes Foto in Originalgröße, 11.06.1997 - Foto: Philippe Kahn, 1997 – gemeinfrei, via Wikimedia Commons

    Things Can Only Get Better

    Kahn versuchte, seine Idee zu vermarkten, aber die angesprochenen Unternehmen winkten zunächst ab. Mobiltelefone waren doch eher zum Telefonieren gedacht, war die gängige Meinung.

    Um 2000, als erste Kamerahandys an den Markt kamen, wurde seine Idee mit japanischen Partnern aufgegriffen. Seine Firma LightSurf, die seine Ideen weiterentwickelte, ging 2005 an VeriSign.

    Heute ist sein Prinzip des Sofort-Bild-Machens-und-Teilens selbstverständlich, genauso wie es sich heute als werdender Vater ziemt, seine Partnerin in den Kreißsaal mit zu begleiten (eigene leidvolle Erfahrung mit 24 h Wehen).

    Philippe Kahn gilt aufgrund seiner vielen Tüfteleien und Gründungen als Legende im Silicon Valley.
    Und Tochter Sophie ist mittlerweile selbst mitten im Leben.

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