„Energie!“ – Wie Sir Patrick Stewart aus mir einen halben Trekkie (und einen etwas besseren Menschen) machte.
Manche Nachrichten lassen einen innehalten. Gestern Abend erfuhr ich, dass Sir Patrick Stewart gestorben war. Und das beamte mich direkt zurück in die Zeit, als Captain Jean-Luc Picard mein Idealbild einer Führungspersönlichkeit war.
Meinen „first contact“ mit Star Trek: The Next Generation hatte ich 1990, als das Zweite Deutsche Fernsehen die neue Serie ins Programm nahm. Auf jenem vertrauten Vorabend-Sendeplatz, den ich damals von Serien wie Ein Colt für alle Fälle, Matlock oder Trio mit vier Fäusten kannte.
Anfangs konnte ich überhaupt nichts damit anfangen: seltsame Kostüme und Masken und steife Dialoge in einer merkwürdigen Umgebung, in der alles ziemlich gleich aussah. Ein Kammerspiel im Weltraum, dessen Reiz sich mir nicht recht erschloss. Und dann waren da noch ein Android und ein Klingone, die beide unheimlich ernst und intelligent wirkten, obwohl sie für mich fast ein wenig lächerlich aussahen.
Things Will Never Be the Same
Vier Jahre später sah die Sache anders aus: Nach langen Schultagen versuchte ich verzweifelt, die Zeit bis zum Abendessen totzuschlagen. Nach einem Senderwechsel war „Next Generation“ im Nachmittagsprogramm gelandet. Also gab ich der Serie noch eine Chance. Und diesmal blieb ich hängen! Nachdem ich erst einmal in dieses Universum assimiliert worden war, hörte ich zu und schaute hin. Die Philosophie der Serie und Sir Patrick Stewarts Darstellung von Jean-Luc Picard beeindruckten mich.
Vielleicht war es eine Frage der Reife. Jedenfalls fiel all das in meine Teenagerjahre, als ich schwerst auf Sinnsuche war. Und Captain Jean-Luc Picard, der steckte voller Sinn. Seine wohlüberlegten Entscheidungen, seine Würde, seine Art, mit anderen umzugehen. Ein wahrer Mensch. Ich war begeistert.
Später begegnete ich im wirklichen Leben nur selten Menschen, die diesem Vorbild gerecht wurden. Besonders selten in Führungspositionen. Für mich war das Kunst: ein höheres Ideal davon zu vermitteln, wie Menschen miteinander umgehen könnten – und dabei Physik, mit der ich damals in der Schule auf Kriegsfuß stand, und anderen Nerd-Kram mit Shakespeare’scher Dramatik zu verweben. Und einem Gen-Xler wie mir, gab es einen Funken Hoffnung, dass die Menschheit sich doch noch zu etwas Weiserem entwickeln könnte.
Sir Patrick Stewarts erste Liebe galt dem Theater, besonders Shakespeare. Vielleicht war das ein Teil dessen, was seinem Picard diese Würde und Präsenz verlieh. Ich bewunderte die Figur, und ich bewunderte den Mann, der sie zum Leben erweckte. Was für ein Verlust – ja, für die Menschheit.
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