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Kategorie: Noise & Attitude | Music Takes, Culture & Raw Opinions – Daddy Grunge

Perspektive zu Musik, Kultur und dem Ethos „roh > ausgefeilt“, das den Kern der Marke bildet. Keine Produktwerbung, kein Update zum Stand der Dinge – sondern eine Meinung. Warum Tribute-Bands am Wesentlichen vorbeigehen. Warum Streaming Musik zu bloßer Kulisse verflacht hat. Warum Originalität Nostalgie jedes Mal übertrumpft. Diese Säule definiert die Weltanschauung der Marke, ohne jemals direkt zu verkaufen – sie schafft eine tiefe, indirekte Loyalität, die später zu Käufern und treuen Fans führt. Formatunabhängig: eignet sich sowohl als kurzer Threads-Beitrag als auch als ausführlicher Blog-Beitrag.

  • Why the Gen-X Line Is a Guessing Game

    Warum die Sache mit der "Gen-X-Line" ein Ratespiel ist!

    Don’t Speak

    Kennt noch jemand Napster? Napster war 1999 eine Online-Plattform, auf der man per Suchbegriff alle mögliche Musik als MP3 herunterladen konnte! Aber eben nicht von der Plattform selbst sondern vom Rechner eines anderen Nutzers. Im Unterschied zu Tapes, die von Hand zu Hand gingen, konnten wie in einem Katalog Inhalte bei Napster gesucht werden, und nach Fund und Vermittlung massenhaft downgeloaded werden.

    Nie war in dieser kurzen Zeit – Napster wurde Ende 99 verklagt und 2001 abgeschaltet - meine Entdeckungsreise ergiebiger und überraschender: neue Bandnamen, interessante Songtitel – all das konnte konsumiert werden, sobald man „Download“ drückte. Fernab des Kaufs der physischen CD im Laden.

    Auch damals wussten wir, dass das nicht legal war. Aber wir hatten die technischen Bezugsmöglichkeiten. Und etwas Häme war mit dabei – wir Musik-Connaisseurs gegen die großen Musikbosse. Dabei wurden gerade die Künstler außen vorgelassen, die eigentlich auf den CD-Kauf angewiesen wären (seltene Indie-Bands) und die Ver-H&M-mung der Musik begann mit diesem Gebaren.

    Torn

    Schon seit der Erfindung des Buchdruckes gab es Vereinbarungen, wem welche Rechte, Lizenzen und Tantiemen vertraglich zugeschrieben werden oder gehören. Bis Mitte der 90er war die massenhafte Verbreitung von musikalischen Inhalten aber technisch begrenzt. Teilen hieß meistens: mühsam Tapes kopieren, weitergeben, erneut kopieren. Plötzlich ließen sich digitale Dateien praktisch verlustfrei und in immer größerem Maßstab verbreiten. CDs wurden gerippt und deren Inhalte auf Sharing-Plattformen wie Napster munter geteilt.

    Nothing Else Matters

    Doch warum wurden die User nicht belangt, wie es später geschah? Der viel effektivere Weg war die zentrale Plattform selbst. Statt 20 Millionen Nutzer einzeln zu belangen begann die RIAA einen Rechtsstreit. Auch Metallica erhob Klage gegen die Plattform wegen einer nicht autorisierten Verbreitung eines noch nicht veröffentlichten Werks. Napster argumentierte, die Musik selbst weder zu speichern noch auszuliefern, sondern lediglich Nutzer und Dateien miteinander zu vermitteln. Doch das half nichts: 2001 wurde Napster abgeschaltet, aber File Sharing verschwand nicht. Kompliziertere Sharing-Modelle wie Bit-Torrent kamen ins Laufen. Und erst 2003 gelang es, mit dem iTunes Store eine legale Downloadplattform zu haben, die den Ansprüchen der Industrien genügte. Bis das Streaming von heute nichtmal mehr den Download benötigt. Erst war die Technik schneller als die Rechtsprechung, heute werden Urheberrecht und Copyright im Web mit Argus-Augen überwacht.

    Ironic

    Kann man da einen Shirt-Shop starten im 90er Spirit ohne irgendeinen Bezug zu den Hymnen, die das Jahrzehnt prägten und die musikalisch die Buntheit der Dekade ausdrückten? War meine Daddy Grunge-Idee schon vor Start zum Scheitern verurteilt, wenn ich 90er-Songs oder andere Kulturgegenstände nicht feiern kann ohne Gefahr zu laufen, Rechte zu verletzen? Versuche ich gar nicht erst, Bandlogos, Cover oder bekannte Gestaltungen nachzubauen?

    Zurück bleibt etwas anderes: Essenz. Was bleibt von einem Song übrig? Wie setze ich meine Erinnerung in eine eigene Bildidee um? Und vielleicht ist genau das am Ende der Witz an der Sache. Ich kann also nicht einfach „Nirvana“ aufs Shirt klatschen, das In Utero Cover nachzeichnen und behaupten, es ist mein eigen. Aus der Erinnerung muss etwas Neues werden - gefiltert durch Zeit, Seele und Humor. Eine Erinnerung, ein Bild, ein Insiderwitz. Wer den Song erkennt, erkennt ihn. Wer nicht, trägt eben nur ein schräg gezeichnetes T-Shirt.

    Und damit wird ausgerechnet das Urheberrecht zum unfreiwilligen Creative Director der Gen-X-Line.

  • A Self-Critique, or: Why Principles and Business Always Collide

    Eine Selbstkritik oder: Wie Haltung und Geschäft immer kollidieren

    …und der Kommerz immer gewinnt.

    Wear Sunscreen

    Zurzeit ist es sehr heiß in Deutschland. Heißer als nie zuvor da gewesen, seit Messung meteorologischer Daten. Und in der Wissenschaft gibt es den Konsens, dass durch wachsenden fossilen Ausstoß sich die Erdatmosphäre erhitzt. Der Klimawandel ist quasi hausgemacht, durch die Industrienationen und Leuten wie mir, die einen weiteren POD-Online-Shop eröffnen.

    Schon in den 90ern war der Menschheit klar, dass dem global entgegengesteuert werden müsste. Eine Generation später sind Gesetze und Richtlinien in Kraft, die auf diese Beschlüsse zurückgeführt werden können und die die Benutzung von fossilen Brennstoffen und die Freisetzung von Klimagasen immer gezielter besteuern.

    Das treibt natürlich Energie- und Konsumpreise, stellt die Leute hierzulande bei großen Anschaffungen (Auto, Wärmepumpe) und im Alltag vor Komplexitäten, die sie wütend werden lassen. So stark, dass unter anderem auch deswegen Populismus wieder auf fruchtbaren Boden fällt.

    The Show Must Go On

    Es kann ja auch nicht sein, dass wir hart erarbeitete, lieb gewonnene Routinen, wie z. B. zweimal in den Urlaub fliegen oder T-Shirts aus Bangladesch online bestellen, überdenken oder gar opfern müssen.

    Und immer weiter geht der Konsum, als ob es kein Morgen gäbe. Und wehe, Benzin oder Energie wird teurer.

    Dieser Rausch, nach 2001 noch mit neo-nationalistischen Anklängen versehen, geht einher mit einem globalen Kapitalismus. Der scheint zwar gerade in immer brutalere (Rohstoff-)Konflikte zu geraten und dennoch kein Innehalten zu finden. Klar, eine große Bevölkerungsschicht außerhalb des glorreichen Westens kommt gerade in Wohlstandssphären, die sie um keinen Preis aufgeben möchte.

    Killing in the Name

    Somit kämpfen immer mehr Menschen um begrenzte natürliche Ressourcen, verschwinden immer schneller natürliche Lebensräume von Tieren und Pflanzen, steigen Energie- und Wohnpreise (auch Baustoffe sind Rohstoffe) und wird die Stimmung rauer, hitziger - alles unter der sich weiter aufheizenden Käseglocke unserer Atmosphäre.

    Braucht es da noch eine Marke, die aus einem POD-Shop heraus T-Shirts mit 90er-Motiven um die Welt shippt?

    Ganz sicher nicht.

    Warum tue ich das trotzdem?

    Zumal es wenig mit dem 80er-Kid zu tun hat, das immer das mahnende Ende von Tierfilmen verinnerlichte, dass der immer kleiner werdende Lebensraum die faszinierenden Geschöpfe vom Aussterben bedroht.

    Der als Teenager nie die nicht endende Party namens Love Parade verstanden hat, weil sie dem Tanz auf dem Vulkan glich.

    My Favourite Game

    Heute weiß ich, all das hat viel mit dem Leben zu tun:

    Der eine steckt viel Geld in einen Youngtimer, fährt ihn einmal im Jahr zum Treffen mit gleichgesinnten Bastlern und poliert ihn ansonsten nur.

    Ich mache halt gern Musik und verbinde alles, was ich im Leben einigermaßen kann (entertainen, zeichnen, songwriten, Content erstellen) zu einem Projekt.

    Das Finanzamt nennt so etwas Liebhaberei.

    Der Volksmund nennt es Spleen.

    Das habe ich erst jetzt verstanden - „jedem Tierchen sein Pläsierchen“ oder „leben und leben lassen“.

    Vielleicht lenkt das kollektive Song-Erinnern von Krisen oder schlechtem Gewissen ab.

    Wir brauchen Besinnung,

    eine Pause

    und mehr Zuversicht.

    Ein Scheiß-T-Shirt wird die Welt nicht retten.

    Vielleicht macht es sie sogar ein winziges bisschen schlechter.

    Aber möglicherweise auch für einen Moment lustiger.

    Und solange keiner groß kauft, hat Daddy Grunge keinen moralischen Konflikt am Hals.

    So, let the fuckening begin.